Hilfe, wir haben ein Schreibaby!

Ununterbrochen schreit dein Baby. Alles was du versuchst, um ihm zu helfen, bringt nichts! Hilflosigkeit, Verzweiflung und Versagensängste kommen in dir auf, da es dir nicht möglich zu sein scheint, dein weinendes Baby zu trösten!

Hier ein paar Tipps, die dir das Leben mit deinem Schreibaby erleichtern.

Schreit ein Kind mehr als drei Stunden pro Tag, drei Tage pro Woche und das länger als drei Wochen, dann spricht man von einem Schreibaby. Na ja, Schreien kann man das eigentlich fast nicht mehr nennen. Dein Baby macht sich steif, wird ganz rot und kreischt aus nicht ersichtlichem Grund. Egal was du versuchst, das ohrenbetäubende, durch Mark und Bein gehende Gekreische will nicht verstummen. Dein Nervenkostüm liegt blank! Endlich gelingt es dir, dein Baby zu beruhigen, dann schrickt es von der kleinsten Kleinigkeit wieder wach und das Schreien beginnt erneut!

Meist beginnt das Schreien etwa zwei Wochen nach der Geburt, nimmt bis zur sechsten Woche zu. In den meisten Fällen stoppt das Schreien mit vier Monaten. Zweifellos eine extrem schwere Zeit! Du bist übermüdet und weißt dir keinen Rat mehr. Was kann ich tun, um mein Baby zu beruhigen?, diese Frage beherrscht dein Leben!

“Nachts fuhr ich häufig ziellos durch die Gegend, da es ihn einschläferte. Manchmal beruhigte er sich, wenn ich ihn auf meine Brust legte. Gut, aber selbst bekam ich dann keinen Schlaf. Der Gedanke an ins Bett gehen, entwickelte sich zunehmend zum Horrorgedanke, da er ständig von der Angst überlagert wurde: „Wann beginnt er wieder zu schreien?“ Das machte mich mutlos und tot müde!”
Karel

Warum schreit mein Baby?

Bei 90% der Schreibabys wird keine körperliche Ursache gefunden. Blähungen werden häufig als Auslöser vermutet. Sie sind aber eher eine Folge des Schreiens als die Ursache dafür, denn das Baby schluckt beim Schreien so viel Luft, dass es sich regelrecht aufpumpt.

Körperliche Ursachen unbedingt abklären lassen

Es ist durchaus möglich, dass es eine körperliche Ursache dafür gibt, weshalb dein Baby schreit. Daher solltest du den Kinderarzt aufsuchen, der für Klarheit sorgen kann. Liegt keine Nahrungsmittelallergie vor und körperliche Ursachen sind ausgeschlossen, hilft dir dies zwar nicht unmittelbar weiter, aber es ist doch sehr beruhigend. Denke: „Mein Baby schreit zwar herzzerreißend, aber ihm tut nichts weh!“ Das hilft dir, nicht die Fassung zu verlieren.

Schreikind: Ein hochsensibles Baby

Dein Kind ist gesund und schreit trotzdem? Dann hast du ein empfindliches, hochsensibles Baby. Das heißt, dein Baby ist leicht erregbar, nimmt jeden Reiz aus der Umgebung extrem wahr und ist dadurch ständig überfordert, da es diese Reize nicht verarbeiten kann. Es hält sich selber wach und die daraus resultierende Übermüdung macht es zum kleinen Schreihals. Ärzte sprechen von einer frühen Regulationsstörung.

Ursachen

Die Ursachen sind immer noch nicht eindeutig geklärt. Schwedische Wissenschaftler befragten 1600 Mütter und fanden heraus, dass Mütter die während der Schwangerschaft rauchten, ein erhöhtes Risiko laufen, ein Schreibaby zu bekommen. Starke seelische Belastungen und Depressionen während der Schwangerschaft werden ebenfalls als mögliche Auslöser ermittelt. Auch Babys, die per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden, entwickeln sich häufiger zu einem Schreibaby.

Der häufigste Auslöser ist jedoch das Baby selbst! Es ist so sehr an seiner Umwelt interessiert, kann aber die daraus resultierende Reize einfach noch nicht verarbeiten.

Das kannst du und dein Partner tun:

  • Sorgt dafür, dass ihr bei Kräften bleibt

Nur wenn ihr als Eltern bei Kräften bleibt, könnt ihr eurem Schreibaby mit der erforderlichen Ruhe begegnen. Seid ihr gestresst, dann wirkt sich dies auch auf euer Baby aus. Fragt eure Eltern oder Freunde, ob sie euch mal ablösen können, sodass ihr ein paar Stunden Schlaf bekommt. Und nein: Ihr seid deswegen keine egoistischen Rabeneltern!

  • Schrei-Ambulanzen

Durch permanenten Schlafentzug stehen Eltern mit einem Schreibaby irgendwann unter Dauerstress. Lasst es erst gar nicht so weit kommen. Viele Kliniken bieten „Schreiambulanzen“ für übermüdete und gestresste Eltern an. Die Kosten für Beratung und Therapie trägt in der Regel die Krankenkasse.

  • Schreitagebuch führen

Indem du über Tage hinweg genau dokumentierst, wann dein Baby unruhig ist, schreit, schläft, gefüttert gewickelt und gebadet wird, aber auch wann es spielt, mit dir schmust, lacht und zufrieden ist, lässt sich häufig ein Muster erkennen. Dann kann deinem Baby leichter geholfen werden.

  • Ruhige, reizarme Umgebung

Neun Monate beschützt in deinem Bauch und dann plötzlich in unsere laute, schrille Welt geboren werden. Das muss das Baby erst verkraften. Zu viele Reize überdrehen dein Schreibaby. Einkaufen, Kangatraining, Mama Baby Fitness, Frühstück mit Freundinnen, Restaurantbesuch, Babyschwimmen, viele Stimmen, Geräusche und Gerüche, das ist zu viel! Ruhige Umgebung, Wiege mit Himmel, leise Musik und Stimmen, strukturierte Abläufe helfen dagegen deinem Baby.

  • Beobachte dein Baby

Schreibabys sind häufig besonders agil, aufgeweckt und an ihrer Umwelt interessiert. Doch wann wird es zu viel? Achte darauf, wann sich dein Baby abwendet, desinteressiert reagiert, wenn du ihm etwas zeigst. Ein Zeichen, dass es sich überfordert fühlt. Jetzt ist eine reizarme Umgebung gefragt: Alles aus dem Sichtfeld nehmen und für eine geräusch- und geruchsarme Umgebung sorgen. Einfarbige, ja langweilige Bettwäsche, die nicht zu sehr nach Waschmittel riecht, kann Wunder bewirken.

  • Das Baby mit einem Ritual beruhigen

Dein Baby schreit. Du nimmst es auf den Arm, es schreit weiter, du beruhigst es mit einem Lied, es schreit weiter, du versuchst es mit einer Rassel abzulenken, es schreit weiter, du legst es in die Wippe, es schreit weiter …

Jedes Mal ein neuer Reiz, den es nicht verarbeiten kann, weil es ja eigentlich schon müde ist. Versuche immer nur ein Ritual, um deine Baby zur Ruhe zu bringen. Möglich wäre z. B. sanft das Köpfchen zu halten und leise zu summen und zwar immer das gleiche Lied oder den selben Rhythmus; nicht mehr. Versuche mehrmals ein Ritual, nur so kannst du erkennen, ob es deinem Baby hilft, denn ein Patentrezept gibt es leider nicht. Sicher, es ist schwer ein weinendes Baby auszuhalten. Aber der Gedanke kann helfen: „Meinem Kind geht es körperlich gut, es muss jetzt weinen dürfen, um schlafen zu können.“

  • Warmes Bad oder Massage 

Ein warmes Bad und eine sanfte Massage kann beruhigend wirken. Außer dein Schreibaby reagiert hypersensibel auf Hautreize. Ist dies der Fall, dann sprich mit deinem Kinderarzt darüber. Er kann z.B. eine sensorische Integrationstherapie verordnen.

  • Das Baby begrenzen

Dein Baby hat die warme, schützende Geborgenheit deiner Gebärmutter verlassen und wen wundert es da, dass es sich verloren fühlt und sich nach der Geborgenheit sehnt. Es kann helfen dein Baby mit der Oberseite des Kopfes in ein Stillkissen oder im Bettchen an eine weiche Begrenzung zu legen. Auch das Pucken kann deinem Baby das Gefühl von Geborgenheit vermitteln. Pucke dein Baby beim ersten Anzeichen von Müdigkeit und lege es dann schlafen. Sicher gibt dir deine Hebamme Tipps rund ums Pucken.

  • Nichts hilft; Kopfhörer und Ohrstöpsel sind erlaubt!

Manchmal hilft einfach nichts! Dein Baby schreit! Nimm es auf den Arm, setz dich still hin, halte es geborgen, nimm dir Kopfhörer und versuche es mit der notwendigen Ruhe auszuhalten. Akzeptiere, dass dein Baby sich gerade nicht beruhigen will.

  • Niemals darfst du dein Baby schütteln!

Die Kombination Schlafentzug und stundenlanges Kreischen steckt niemand so leicht weg. Die Nerven liegen blank, das Gefühl der Hilflosigkeit wird übermächtig und Wut kommt in dir auf. Das kleine Gehirn nimmt beim Schütteln irreparable Schäden, denn der Kopf schlackert unkontrolliert hin und her, da die Hals- und Nackenmuskulatur den schweren Kopf noch nicht halten können. Blutgefäße reißen und das Gehirn wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt! Irreversible Schäden im Gehirn entstehen und dein Baby kann daran sterben.

Bitte nicht vergessen, wir bieten euch hier nur Möglichkeiten, da es ja kein Patentrezept für den Umgang mit einem Schreibaby gibt! Dein Baby ist einmalig und du musst herausfinden, was zu ihm passt!

Aber eins ist sicher: Es gibt Hilfe und die musst du für dich einfordern!